
[Verse 1] [M] Ich hab Fußball gespielt, bis es draußen dunkel war, und wenn Training irgendwo war, stand schon irgendwer mit Schlüssel da. Unser Haus war einmal lila, irgendwann war es dann gelb. Ich dachte Häuser wechseln Farben. Ich dachte, so funktioniert die Welt. Ich musste keinen Bus erwischen, musste nicht wissen, wann er fährt. Wenn ich irgendetwas wollte, war die Frage meistens nur: welches? Sie zeigten mir Wälder, Berge, Schnee, wie klein man unter Sternen ist. Und irgendwann stand Technik vor mir, eine Tür in eine andere Welt, und hinter diesem Bildschirm liegen bis heute ein paar meiner schönsten Nächte. [Verse 2] [F] Ich kannte jeden Busfahrplan, bevor ich wusste, was ich werden will. Wenn ich den letzten nicht erwischte, wurde der Heimweg ziemlich still. Bei uns wechselten keine Farben. Man war froh, wenn etwas blieb. Und wenn ich irgendetwas wollte, lernte ich zuerst, warum es das nicht gibt. Ich kannte Preise, bevor ich Dinge kannte. Kannte „später“, „vielleicht“ und „geht grad nicht“. Und während andere draußen suchten, was hinter ihrem Horizont noch liegt, hab ich früh gelernt, dass man auch Welten bauen kann aus Dingen, die man nicht kriegt. [Pre-Chorus] [M] Ich wusste nicht, dass das viel war. [F] Ich wusste viel zu früh, was wenig heißt. [M] Ich hielt mein Leben für gewöhnlich. [F] Ich hielt gewöhnlich für einen Luxus. [M+F] Und keiner von uns beiden hat gefragt, wo diese Straße beginnt. [Chorus] [M] Ich hatte alles. [F] Ich hatte nichts. [M] Und ich hielt alles für normal. [F] Und ich hielt nichts für meine Pflicht. [M+F] Zwei Kinder unter demselben Himmel, nur mit völlig andrem Gewicht. [M] Mir gingen Türen auf— [F] ich lernte Türen einzutreten— [M+F] und keiner von uns hat entschieden, auf welcher Seite er das erste Mal steht. [Verse 3] [M] Vielleicht hab ich deshalb lange gar nicht gesehen, was mich trägt. Man merkt den Rückenwind erst, wenn man einmal dagegen geht. [F] Vielleicht hab ich deshalb gelernt, jeden Zentimeter selbst zu nehmen. Und manchmal ist das Stärke. Manchmal würde man einfach gern danebenstehen und nicht kämpfen müssen. [M] Ich musste lernen, dass Haben nichts darüber sagt, was ein Mensch verdient. [F] Ich musste lernen, dass Nicht-Haben auch nicht heißt, dass man stärker sein muss als alle anderen. [M+F] Vielleicht werden wir erst Menschen, wenn wir aufhören, unsere Narben und unser Glück gegeneinander aufzurechnen. [Pre-Chorus] [F] Du kannst nichts dafür, dass jemand dich getragen hat. [M] Du kannst nichts dafür, dass dich niemand getragen hat. [F] Aber irgendwann— [M] wenn wir es wissen— [M+F] entscheidet sich, was wir daraus machen. [Chorus] [M] Ich hatte alles! [F] Ich hatte nichts! [M] Ich wusste nicht, wie viel das war. [F] Ich wusste immer, was mir fehlt. [M+F] Zwei Kinder unter demselben Himmel, zwei vollkommen andere Welten. [M] Ich bekam Flügel, bevor ich fallen konnte. [F] Ich lernte fallen, bevor ich fliegen durfte. [M+F] Und vielleicht treffen wir uns nicht dort, wo unsere Wege angefangen haben— sondern dort, wo wir entscheiden, wie sie weitergehen. [Bridge] [M] Das Haus war lila. [F] Meine Haltestelle grau. [M] Ich wurde überall hingebracht. [F] Ich fand irgendwie nach Haus. [M] Ich hatte eine ganze Welt hinter Glas. [F] Ich hatte ein Fenster und sah hinaus. [M+F] Und trotzdem standen wir irgendwann unter denselben Sternen. Vielleicht war das der erste Ort, an dem keiner von uns mehr hatte als der andere. [Final Chorus] [M] Ich hatte alles. [F] Ich hatte nichts. [M] Heute weiß ich, was das heißt. [F] Heute weiß ich, was es nicht heißt. [M+F] Denn wir sind mehr als unsere Startlinie, mehr als Mangel, mehr als Glück. [M] Ich kann nicht ändern, wo ich herkam. [F] Ich will nicht löschen, wo ich war. [M+F] Aber wenn wir morgen jemanden starten sehen— dann können wir vielleicht dafür sorgen, dass die Entfernung zwischen „alles“ und „nichts“ ein kleines bisschen kleiner war.
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