
[Intro – gesprochen, trocken] Ich frag mich manchmal, ob du irgendwann noch lernst, dass Ahnungslosigkeit nicht dadurch verschwindet, dass man sie laut ausspricht. Aber vielleicht ist genau das dein Problem: Diese Angst, einfach mal nichts zu sagen. Diese Stille auszuhalten, ohne sie sofort mit irgendeinem Unsinn zu füllen. Als müsste jedes „Weiß ich nicht“ etwas von dir wegnehmen. Also redest du. Und redest. Und redest. Nicht weil du so viel zu sagen hast. Sondern weil du offenbar nicht erträgst, wenn für einen Moment nichts von dir kommt. ⸻ [Strophe 1 – ruhig, bissig] Egal welches Thema – du kennst dich schon aus, zwei Halbsätze Wissen, doch ’ne Doktorarbeit draus. Politik, Geld, Menschen, das Leben, die Welt, du erklärst uns sogar Dinge, die dir keiner erzählt. Keine Ahnung im Gepäck, doch Gewissheit im Blick, und wenn Fakten nicht passen, dann biegst du sie mit. Du redest und redest, bis keiner mehr fragt, und hältst dieses Schweigen dann dafür, dass keiner was sagt. Das Faszinierende ist: Bei Fremden geht’s doch. Da kennst du plötzlich Grenzen, da hörst du sogar noch. Da kannst du dich benehmen, da funktioniert dein Verstand – doch kaum sind’s vertraute Menschen, fährt die Klappe an die Wand. Und jeder Gedanke, der kurz durch dich zieht, wird sofort zur Wahrheit, bevor irgendwer sie sieht. Kein Zweifel, kein Prüfen, kein „kann sein, keine Ahnung“ – nur Meinung auf Anschlag mit minimaler Erfahrung. ⸻ [Pre-Chorus] Und irgendwann fragt man sich nicht mehr: „Hat sie vielleicht recht?“ Sondern nur noch: „Wie lange redet sie noch?“ ⸻ [Refrain – volle Band] Du musst nicht alles wissen, doch du tust verdammt noch mal so. Immer eine Meinung, immer eine Antwort, immer irgendwo ganz oben im Niveau. Doch Lautstärke ist kein Wissen und Gewissheit kein Verstand. Manchmal ist ein „Keine Ahnung“ mehr wert als dein Vortrag an der Wand. Red nicht jeden Raum in Grund und Boden, nur damit am Ende deine Meinung steht. Denn vielleicht sind die Leute gar nicht sprachlos – vielleicht warten sie nur, bis du endlich gehst. ⸻ [Strophe 2 – dichter, aggressiver Flow] Ich hab gelernt, wenn ich von etwas nichts versteh, dann hör ich erstmal Menschen zu, bevor ich weitergeh. Ich stell ’ne Frage, denk nach, vielleicht lern ich was dazu – bei dir läuft das anders: Erst die Meinung, Fakten später irgendwann dazu. Und das Schlimmste daran ist nicht mal, dass du irrst. Jeder liegt daneben, jeder redet manchmal Mist. Es ist diese verdammte Selbstverständlichkeit, mit der du Ahnungslosigkeit verkaufst als Sicherheit. Du willst nicht diskutieren, du willst recht behalten. Du willst keinen Gedanken, du willst Gespräche verwalten. Und irgendwann hat keiner mehr Lust auf das Spiel, weil jedes Gespräch mit dir dasselbe Ende erzielt. Du redest. Wir schweigen. Du glaubst, du hast gewonnen. Dabei haben wir bloß aufgehört, uns mit dir im Kreis zu drehen. ⸻ [Bridge – Instrumente brechen weg] Hast du dich eigentlich jemals gefragt, warum manche Menschen irgendwann nichts mehr erzählen? Warum Gespräche kürzer werden? Warum irgendwann nur noch kommt: „Ja.“ „Mhm.“ „Kann sein.“ Vielleicht nicht, weil du alle überzeugt hast. Vielleicht, weil sie gelernt haben, dass Zuhören bei dir nur die Pause ist, bis du wieder dran bist. ⸻ [Refrain – größer, Background Vocals] Du musst nicht alles wissen, doch du tust verdammt noch mal so. Immer eine Meinung, immer eine Antwort, immer Hauptsache irgendwo das letzte Wort. Doch Lautstärke ist kein Wissen und Gewissheit kein Verstand. Manchmal ist ein „Keine Ahnung“ mehr wert als hundert Wahrheiten aus zweiter Hand. Red nicht jeden Raum in Grund und Boden, nur damit am Ende deine Meinung steht. Denn vielleicht sind die Leute gar nicht sprachlos – vielleicht warten sie nur, bis du endlich gehst. ⸻ [Break – gesprochen, fast ohne Musik] Und bevor du jetzt wieder erklärst, warum das alles nicht stimmt: Genau das meine ich. Nicht antworten. Nicht rechtfertigen. Nicht sofort den nächsten Vortrag halten. Einfach einmal zuhören. Du wirst überrascht sein: Andere Menschen haben auch Gedanken. ⸻ [Finale – Band kommt langsam zurück] Du hast Mut zur Meinung, das muss man dir lassen. Selbst dort, wo Wissen fehlt, kannst du Gewissheit kaum fassen. Doch vielleicht kommt irgendwann zwischen all deinen Antworten ans Licht: Der Klügste im Raum ist nicht immer der, der am meisten spricht. ⸻ [Outro – gesprochen] Und falls du gerade überlegst, was du darauf antworten willst … lass es. Nur dieses eine Mal. Lass. Es.
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