
[Strophe 1] Ich seh die Kleinen an der Ecke, viel zu früh schon viel zu wach, dreizehn Jahre auf dem Ausweis, doch im Blick schon hundert Nächte. Keiner fragt, was sie gesehen haben, jeder fragt nur, was sie wieder angestellt haben. Lehrer sagen: „Schwierig.“ Nachbarn sagen: „Keine Zukunft.“ Politik sagt: „Förderbedarf.“ Und zu Hause fehlt die Luft schon. Vater müde, Mutter kämpft, manchmal beide selber Kinder, keiner zeigt ihnen, wie man fällt, ohne dabei zu verschwinden. Und dann wundert ihr euch ernsthaft, wenn ein Junge draußen hart wird? Wenn er lernt: Respekt heißt Angst, weil ihm keiner Respekt gezeigt hat? Ihr nennt es schlechte Erziehung, ich nenn es fehlende Begleitung. Ihr nennt es mangelnde Werte, doch wer hat sie denn vorgelebt? Ihr habt ihnen eine Welt gegeben, in der jeder irgendetwas spielt, und verlangt dann von einem Vierzehnjährigen, dass er weiß, wer er wirklich ist. --- [Pre-Refrain] Und ich kann sie nicht alle retten, nein, ich spiel hier keinen Held. Doch wenn ihr Kinder fallen lasst, dann zeigt nicht auf sie, wenn etwas fällt. Denn bevor ihr sagt: „Was ist aus dieser Jugend geworden?“ Frag ich euch nur eine Sache: Was ist aus den Erwachsenen geworden? --- [Refrain] Wer fängt sie auf, wenn sie fallen? Wer bleibt noch stehen, wenn sie knallen? Wer sagt: „Komm her, ich zeig dir den Weg“, statt: „Geh mir aus den Augen, du bist das Problem“? Wer fängt sie auf, wenn sie fallen? Zwischen Displays, Druck und Asphalt. Ihr sagt: „Die Jugend ist verloren“ — doch vielleicht habt ihr sie verloren. Ich seh kein Monster in dem Jungen. Ich seh ein Kind hinter der Wut. Und manchmal braucht es keinen Richter — manchmal braucht es einen, der sagt: „Ich seh dich. Jetzt steh auf.“ --- [Strophe 2] Sie wachen auf und greifen erstmal nach dem Telefon neben dem Bett. Noch bevor der eigene Kopf spricht, haben tausend Fremde schon geredet. „Sei schöner.“ „Sei härter.“ „Sei reicher.“ „Sei krasser.“ „Kauf das.“ „Mach das.“ „Denk so.“ „Lach darüber.“ Algorithmus kennt die Schwächen, bevor das Kind sie selber kennt. Jeder Swipe ein kleiner Lehrer, doch niemand weiß, was dieser Lehrer lehrt. Millionen Stimmen gleichzeitig, jede davon will Aufmerksamkeit. Eine ganze Industrie verdient daran, dass ein junger Mensch sich selbst vergleicht. Gesichter glatt wie Plastik, Leben zusammengeschnitten. Jeder zeigt den Sieg — keiner zeigt die Nächte dazwischen. Und ein Mädchen schaut in Spiegel, fragt sich irgendwann: „Bin ich genug?“ Während irgendein fremder Algorithmus ihre Unsicherheit zu Umsatz macht. Das ist keine Kindheit mehr, das ist ein Markt um ihre Seele. Und wir geben ihnen WLAN und nennen das dann Selbstständigkeit. --- [Refrain] Wer fängt sie auf, wenn sie fallen? Wer bleibt noch stehen, wenn sie knallen? Wer sagt: „Komm her, ich zeig dir den Weg“, statt: „Geh mir aus den Augen, du bist das Problem“? Wer fängt sie auf, wenn sie fallen? Zwischen Displays, Druck und Asphalt. Ihr sagt: „Die Jugend ist verloren“ — doch vielleicht habt ihr sie verloren. Ich seh kein Monster in dem Jungen. Ich seh ein Kind hinter der Wut. Und manchmal braucht es keinen Richter — manchmal braucht es einen, der sagt: „Ich seh dich. Jetzt steh auf.“ --- [Strophe 3] Und ja — manche bauen Scheiße. Natürlich müssen Grenzen stehen. Liebe heißt nicht alles dulden, Liebe heißt auch: „Bis hierhin.“ Doch ein Mensch wird nicht erzogen, indem man nur Konsequenzen kennt. Wenn du immer nur die Tat bestrafst, aber niemals ihre Wurzel kennst. Du kannst den Jungen hundertmal aus jedem Klassenraum entfernen. Doch wenn ihm niemand etwas beibringt, lernt er draußen von den Falschen. Und draußen warten immer welche, die ihm endlich Zugehörigkeit geben: „Bruder, komm, bei uns bist du jemand.“ Drei Sätze. Manchmal reichen drei Sätze, um einen Menschen einzufangen, den wir jahrelang ignorierten. Das ist das Bittere daran. Wir haben keine Zeit für ihre Fragen, aber später Zeit für ihre Akten. Keine Zeit, ihnen zuzuhören, aber genug Zeit, sie zu verachten. Wir sparen an Sozialarbeit, an Schulen, Eltern, Perspektiven — und bezahlen später hundertfach für die Schäden, die wir liegenließen. Dann sitzen Experten im Fernsehen und diskutieren über Symptome. Ich steh daneben und denk nur: Ihr habt das Kind nie kennengelernt. --- [Bridge] Vielleicht braucht Stärke heute nicht noch einen härteren Mann. Vielleicht braucht Stärke einen Mann, der einem Jungen sagen kann: „Du musst nicht jeden Kampf gewinnen. Du musst nicht jedem etwas beweisen. Du bist nicht deine schlimmste Stunde. Und Wut ist keine Persönlichkeit.“ Einem Mädchen sagen: „Dein Wert passt in keinen Filter. Deine Würde kennt keine Likes. Du schuldest dieser Welt kein perfektes Gesicht, nur weil sie vergessen hat, wie ein Mensch aussieht.“ Das ist Schutz. Nicht alles fernhalten. Sondern jemanden stark genug machen, dass nicht alles in ihn hineinkommt. --- [Letzter Refrain] Also wer fängt sie auf, wenn sie fallen? Ich hör so viele
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