
Es ist kalt in diesem Raum, an den Wänden hängt ein Traum. Von Menschen, die hier einmal waren, von ihren Stimmen, ihren Jahren. Die Uhr schlägt drei, das Licht wird schwach, tief unter mir wird etwas wach. Ein Schatten zieht die Treppe rauf, die letzte Kerze flackert auf. Ich sitze still, ich atme kaum, die Dunkelheit verschluckt den Raum. Mein Spiegel zeigt ein fremdes Bild, ein kaltes Lächeln, starr und wild. Die Augen weiß, das Herz aus Stein, ich sollte längst verschwunden sein. Doch irgendetwas hält mich hier, und heute Nacht gehört sie mir. Du hörst ein Kratzen an der Wand, ein leises Klopfen, unbekannt. Du schaust nach links, du schaust nach rechts, doch was du suchst, das steht schon längst ganz still im Schatten neben dir. Du spürst den Frost auf deiner Haut, du willst jetzt schreien, doch kein Laut verlässt die Lippen, während hier ein Flüstern sagt: Ich bin bei dir. ICH BIN NOCH HIER! ICH BIN NOCH DA! DU DACHTEST, DASS ICH LÄNGST VERGANGEN WAR! ICH BIN NOCH HIER! GANZ NAH BEI DIR! UND WENN DU DICH JETZT UMDREHST, DANN STEH ICH HINTER DIR! ICH BIN NOCH HIER! ICH BIN DIE NACHT! ICH BIN DER SCHATTEN, DER IM DUNKELN WACHT! DU KANNST MICH HÖREN, DU KANNST MICH SPÜREN, DOCH DIESE TÜR WIRD DICH NICHT MEHR NACH DRAUSSEN FÜHREN! Die Wände tragen alte Namen, die längst aus dieser Welt verschwanden. Ein rotes Leuchten fällt herein, hier sollte niemand einsam sein. Die Ketten schwingen ohne Wind, die Stimmen weinen wie ein Kind. Der Boden knarrt, die Decke bebt, als ob das Haus im Innern lebt. Ich war ein Mensch, ich hatte Träume, ich kannte Straßen, Licht und Bäume. Ich kannte Liebe, Glück und Zeit, doch jetzt regiert die Dunkelheit. Mein Körper sitzt auf diesem Stuhl, die Luft ist feucht, der Boden kühl. Seit Jahren warte ich darauf, dass irgendwer die Tür macht auf. Und heute bist du endlich hier, du stehst ganz nah vor meiner Tür. Du siehst mich an, du glaubst es kaum, ein fremder Mann im dunklen Raum. Die Augen leer, das Lächeln kalt, mein Schatten wird zweihundert Jahre alt. Ich hebe langsam meinen Blick, und deine Schritte geh'n zurück. Doch jeder Schritt führt dich zu mir, die Dunkelheit versperrt die Tür. Du rennst, du fällst, du stehst erneut, doch dieser Ort hat sich gefreut. Denn lange war es hier so still, und keiner weiß, was dieses Haus noch will. Die letzte Lampe geht jetzt aus, willkommen in meinem alten Haus. ICH BIN NOCH HIER! ICH BIN NOCH DA! DU DACHTEST, DASS ICH LÄNGST VERGANGEN WAR! ICH BIN NOCH HIER! GANZ NAH BEI DIR! UND WENN DU DICH JETZT UMDREHST, DANN STEH ICH HINTER DIR! ICH BIN NOCH HIER! ICH BIN DIE NACHT! ICH BIN DER SCHATTEN, DER IM DUNKELN WACHT! DU KANNST MICH HÖREN, DU KANNST MICH SPÜREN, UND ALLE WEGE, DIE DU KENNST, WERDEN DICH ZU MIR FÜHREN! Hörst du das Klopfen? Eins. Zwei. Drei. Es kommt nicht von der Tür. Es kommt nicht aus der Wand. Es kommt aus deinem Zimmer. Und niemand hält deine Hand. Hahahahaha! Die Kerzen flackern, Schatten tanzen, du hörst ein Flüstern aus den Pflanzen. Der Mond verschwindet hinter Stein, die Fenster lassen niemand rein. Ein kalter Wind zieht durch das Haus, du hörst die Schritte, sie geh'n nicht raus. Ein altes Radio springt plötzlich an, und eine Stimme sagt: Jetzt bist du dran. Die Treppe führt ins Nirgendwo, die Bilder lächeln sowieso. Die Türen öffnen sich von selbst, du hörst ein Lied, das dir gefällt. Doch plötzlich wird die Melodie zu einer fremden Symphonie. Ein Kinderchor singt leise mit, du hörst im Flur den nächsten Schritt. Ich bin nicht böse, bin nicht gut, ich bin der Schatten unter deinem Hut. Ich bin die Stille vor dem Schrei, ich bin die Nacht, die nie vorbei. Ich bin das Flüstern nebenan, das niemand wirklich hören kann. Ich bin der Atem hinter dir, und jede Nacht gehörst du mir. Jetzt schlägt die Uhr ein letztes Mal, die Luft wird kalt, der Mond wird fahl. Der Nebel steigt bis an dein Knie, du hörst die alte Melodie. Ich stehe langsam von dem Stuhl, der ganze Raum wird plötzlich kühl. Du siehst mich an, du bleibst wie Stein, doch heute Nacht bist du nicht allein. ICH BIN NOCH HIER! ICH BIN NOCH DA! ICH WARTE SCHON SEIT HUNDERT JAHREN DA! ICH BIN NOCH HIER! ICH KOMME NÄHER! DU HÖRST MICH ATMEN, DOCH DU SIEHST MICH NICHT! ICH BIN NOCH HIER! ICH BIN DIE NACHT! ICH BIN DAS, WAS IN DEINEN TRÄUMEN WACHT! DU KANNST MICH HÖREN, DU KANNST MICH SPÜREN, UND WENN DIE LETZTE KERZE STIRBT, WIRST DU MICH ENDLICH SPÜREN! Kein Licht. Kein Laut. Nur kalter Atem auf deiner Haut. Kein Weg. Kein Ziel. Nur dieses unheimliche Gefühl. Du dachtest, alles wär vorbei, du dachtest, morgen wärst du frei. Doch draußen schlägt die Glocke vier, und ich sitze immer noch hier. Ganz ruhig. Ganz still. Weil ich dich sehen will. Die Tür geht auf. Der Nebel zieht. Ein letzter Ton. Ein letztes Lied. Ich bin noch hier. Ich bin noch da. Und morgen Nacht bin ich dir wieder nah. Hinter dir. Hahahahaha...
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