
[Auftakt – einer ruft] Wer kommt da über Stock und Stein? [Alle] Der Mummenschanz schenkt wieder ein! [Strophe 1 – Mahntee] Mahntee sitzt auf jedem Tisch, als wär der Tisch sein Thron. Er trinkt aus fremden Bechern mit und zahlt mit fremdem Lohn. Er nennt sich König, Herr und Fürst, sobald der Krug sich dreht. Doch fällt er einmal untern Tisch, heißt’s nur: Der Hofstaat steht! [Refrain] He, schenkt ein! Schenkt ein! Der Mummenschanz ist wieder da! Mit Staub im Schuh und Wein im Krug, mit schlechtem Rat und Glück genug. He, schenkt ein! Schenkt ein! Wir nehmen uns nicht wichtig, nein! Wer über uns ein Spottlied singt, dem wird der nächste Krug gebracht! [Strophe 2 – Kravosh] Kravosh reitet übern Weg, die Erde hält den Atem an. Ein Pferd trägt ihn aus Tapferkeit — oder weil es nicht fliehen kann. Wo Kravosh durch ein Stadttor zieht, wird jede Mauer klein. Man nennt ihn reitende Lawine — und räumt vorher die Schenke ein. [Refrain] He, schenkt ein! Schenkt ein! Der Mummenschanz ist wieder da! Mit Staub im Schuh und Wein im Krug, mit schlechtem Rat und Glück genug. [Strophe 3 – Ursel] Ursel kocht für hundert Mann und flucht für hundertvier. Sie macht aus Rinde, Wurzel, Stein noch einen Eintopf hier. Doch greift ein Krieger vor der Zeit mit Fingern in den Topf, dann tanzt ihr Löffel auf dem Hintern und nicht etwa auf dem Kopf. [Alle gerufen] Noch mal! [Strophe 4 – Pamp] Pamp erklärt bei jedem Bier, wie Welt und Sterne gehn. Nur seine Armbrust scheint bis heut die Wahrheit nicht zu sehn. Er zielt nach links, der Bolzen fliegt nach rechts und trifft den Wirt. Dann sagt er: „Wahrheit ist ein Pfad, der selten grade wird.“ [Refrain] He, schenkt ein! Schenkt ein! Der Mummenschanz ist wieder da! Mit Staub im Schuh und Wein im Krug, mit schlechtem Rat und Glück genug. [Strophe 5 – Kunigunde] Kunigunde steht so fest, dass selbst der Boden schwankt. Man warf ihr einen Amboss hin — der Amboss hat gekrankt. Kein Wagen stößt sie aus der Bahn, kein Fass bringt sie zu Fall. Nur wenn man sagt: „Das Eisen taugt“, wird’s plötzlich laut im Saal. [Strophe 6 – Severi, ruhiger] Severi spricht kein einzig Wort, doch hört, was keiner hört. Er trägt den Müden durch die Nacht und richtet, was zerstört. Wo Hände fehlen, reicht er zwei. Wo keiner bleibt, bleibt er. Und wenn wir heut noch lachen können, verdanken wir ihm mehr. [Kurzer Ruf] Auf Severi! [Alle] Auf Severi! [Strophe 7 – Ilker] Ilker trägt am Kinn kein Haar, doch flink ist seine Hand. Die Fidel singt, der Speerstoß sitzt, bevor der Gegner stand. Er spielt so schnell, dass jeder meint, zwei Männer stünden dort. Doch fragt man nach dem Bart, dann spielt er einfach schneller fort. [Strophe 8 – Ashra] Ashra suchte Liebesglück bei jeder zweiten Maid. Die erste lachte, die zweite floh, die dritte war schon Freit. Doch Nelli aus dem Eichenhain nahm endlich seinen Arm. Seitdem ist Ashra still verliebt — und allen andern warm. [Alle gerufen] Auf Nelli! [Ashra] Halt’s Maul! [Refrain] He, schenkt ein! Schenkt ein! Der Mummenschanz ist wieder da! Mit Staub im Schuh und Wein im Krug, mit schlechtem Rat und Glück genug. He, schenkt ein! Schenkt ein! Wir nehmen uns nicht wichtig, nein! Wer über uns ein Spottlied singt, dem wird der nächste Krug gebracht! [Strophe 9 – Leomar] Leomar der Lahme geht zwar keinen Schritt im Saal, doch kommt sein schöner Mund vorbei, verliert man leicht die Wahl. Er schoss schon manchen Feind vom Pferd, doch schöner war sein Fang: Philippe fiel ihm nicht vom Ross — nur in den Schoß, Gott sei Dank. Und weil der Lahme Küsse gibt, als wären’s Lehen wert, nennt man ihn bald, so munkelt man, die Gräfin von der Eldermark. [Strophe 10 – Philippe] Philippe, den man „Schöner“ nennt, war Glaubens erster Streit. Dann sah er Leomars schönen Mund und war dazu bereit, den Titel, Schwur und Ruhm zu lassen, ganz ohne Krieg und Not. Man sagt, er habe den Glauben verloren — doch fand dafür ein Boot. [Leomar ruft] Ein sehr schönes Boot! [Philippe] Ich bereue nichts! [Strophe 11 – gemeinsam] So ziehn wir weiter durch das Land, mal Sieger und mal wund. Der eine hinkt, der andre schweigt, der dritte hält den Mund. Wir retten Reiche, stehlen Wein, wir fallen und stehn auf. Und schreibt man über uns ein Lied, dann singt es ruhig laut! [Großer Schlussrefrain] He, schenkt ein! Schenkt ein! Der Mummenschanz ist wieder da! Mit Staub im Schuh und Wein im Krug, mit schlechtem Rat und Glück genug. He, schenkt ein! Schenkt ein! Kein Heiliger zieht bei uns ein! Doch wer mit uns durch Schatten ging, der soll heut unser Bruder sein. He, schenkt ein! Schenkt ein! Und singt die ganze Schenke klein! Wer über uns den besten Spott noch vor dem Morgen singen kann, dem zahlt Mahntee den nächsten Krug! [Mahntee] Das war so nicht besprochen. [Alle] Der Tischkönig zahlt! [Mahntee] Dann gehört der Tisch jetzt mir.
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