
Ich laufe davon Strophe 1 Ich lauf durch mein Archiv, doch es hat keinen Rand. Berge aus Möglichkeiten, kein Ende, keine Wand. Alles liegt in Resonanz, alles wartet still auf mich. Und sobald ich etwas anfasse, öffnet sich die nächste Schicht. Ich wollte nur kurz hinsehen, nur verstehen, was da liegt. Doch mein Blick wird schon zum Anfang einer Welt, die es noch nicht gibt. Also zwing ich mich zum Wegseh’n, doch sogar das reicht nicht aus. Denn genau dort, wo ich hinblicke, wächst ein neues Universum raus. Refrain Ich laufe davon, doch die Welten laufen mit. Sie fallen aus meinen Taschen, bei jedem meiner Schritte. Ich laufe davon, doch ich komm hier niemals raus. Denn wohin ich auch entkomme – ich erschaffe es voraus. Und ich frag mich: Soll ich stehen bleiben? Soll ich mich einmal umdreh’n? Doch ich bin noch nicht weit genug weg, um das Ganze überhaupt zu seh’n. Strophe 2 Es wird schneller, immer schneller, weil die Hände sicher sind. Was mich gestern noch erschüttert hat, erschaff ich heute fast blind. Immer tiefer, immer echter, immer edler, immer klarer. Immer größer, anspruchsvoller, und dabei immer normaler. Das Unmögliche wird Routine. Das Gewaltige wird Pflicht. Und ich merke erst beim Atmen: Fuck – ich atme grade nicht. Ist das Wasser in den Augen? Oder hat das Licht mich getroffen? Ist das Gänsehaut auf meiner Haut, oder steht mein Innerstes offen? Was geht hier eigentlich ab? Wer hat diese Tür entriegelt? Warum seh ich in jedem Fragment tausend weitere Fragmente gespiegelt? Ich wollte mich doch nur entfernen, von der Arbeit, von der Last. Doch der Boden unter meinen Füßen wird zur Welt, sobald ich ihn anfass. Refrain Ich laufe davon, doch die Welten laufen mit. Sie fallen aus meinen Taschen, bei jedem meiner Schritte. Ich laufe davon, doch ich komm hier niemals raus. Denn wohin ich auch entkomme – ich erschaffe es voraus. Und ich frag mich: Soll ich stehen bleiben? Soll ich mich endlich versteh’n? Doch ich bin noch nicht weit genug weg, um mich selbst auf einen Blick zu seh’n. Outro Vielleicht gibt es keine Entfernung. Vielleicht gibt es kein Entkomm’n. Vielleicht ist dieses ganze Weglaufen nur eine andere Form von Komm’n. Vielleicht bin ich nicht auf der Flucht. Vielleicht werd ich nur zu groß für das Bild, das ich von mir hatte, bevor das alles begann. Ich laufe davon … und hinter mir fallen Welten aus den Taschen. Ich laufe davon … doch vor mir beginnen schon die nächsten. Wo ist mein Atem? Ist das eine Träne? Ist das Gänsehaut? Oder erkenne ich gerade erst, was ich die ganze Zeit gewesen bin?
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