
Ich stand am Bahnsteig und sah dich kommen Die Arme voller Löcher, die Augen leer Wochenlang warst du fort, und ich hatte gehofft Doch was ich fand, war nur noch der Schatten von dir Du stammeltest Worte, die mich zerrissen Dass du schon lange wieder im Oxy lagst Bevor du wusstest, dass Miray in dir wuchs Bevor du sie verlorst in der fünften Woche Du hast sie mir verschwiegen Monatelang Ich erfuhr es von einer Freundin Während alle sich um dich scharten Weil du dein Kind verloren hattest Und ich stand daneben Und niemand sah, dass ich auch etwas verloren hatte Nicht nur Miray Sondern dich Und alles, was wir hätten sein können Ich erinnere mich an den Moment Als der Zug einfährt Und ich dachte nur noch Wie leicht es wäre, dich davor zu stoßen Für das, was du getan hast Für das, was du mir genommen hast Ohne dass ich es je wissen durfte Du hast dich zugeballert Stundenlang, ganze Nächte Sabbernd im Niemandsland Nichts mehr fühlend, nichts mehr begreifend Während in dir noch Leben war Und du es nicht einmal merktest Oder nicht merken wolltest Miray Ein Name, den ich nie aussprechen durfte Ein Gesicht, das ich nie sehen durfte Ein Herz, das nie schlagen durfte Weil du schon lange vorher Die Realität hinter den Tabletten begraben hattest Und als sie weg war Hast du die Dosis nur erhöht Bis es jedem auffiel Bis der Heroin kam Bis die Arme voller Einstiche waren Und ich dich vom Bahnsteig aufhob Wie etwas, das schon längst zerbrochen war Alle liefen zu dir Weil du das Kind verloren hattest Niemand lief zu mir Weil ich alles verloren hatte Dich Miray Die Zukunft Die Hoffnung Die Vorstellung, Vater zu sein Jetzt sitze ich hier In einem Raum, der zu groß ist Und die Einsamkeit frisst sich tiefer Mit jedem Atemzug Mit jeder Erinnerung An das, was hätte sein können Und an das, was du mir nie gesagt hast Ich hasse dich dafür Und ich liebe dich trotzdem Und beides zerreißt mich gleichzeitig Bis nichts mehr übrig bleibt Als dieser dumpfe, erbärmliche Schmerz Der nie aufhört Miray Du wirst nie wissen, wer ich bin Du wirst nie meine Hand gehalten haben Du wirst nie gehört haben, wie ich deinen Namen flüstere In den Nächten, in denen der Schmerz mich wachhält Und Sasha Du hast nicht nur sie verloren Du hast mich verloren Und ich habe dich verloren Und niemand außer mir scheint zu merken Dass ich auch hier sitze Und still zerbreche Die Zeit geht weiter Aber ich bleibe stehen An diesem Bahnsteig In diesem Moment In dem der Zug einfährt Und ich immer noch nicht weiß Ob ich dich hätte retten sollen Oder endlich loslassen Miray Ich trage dich mit mir In einem Teil von mir Der nie wieder heilen wird Und Sasha Ich trage dich auch Als die Wunde Die nie aufhört zu bluten Und die Einsamkeit Wird mit jeder Zeile größer Mit jedem Tag länger Mit jedem Atemzug kälter Bis ich selbst nur noch Ein Schatten bin Von dem Mann Der einmal Vater hätte sein können
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