
Irgendwann geht jeder [Intro – leise, Piano und Orgel] Du fragst dich, warum Menschen gehen. Warum irgendwann keiner mehr anruft. Warum Gespräche verstummen, warum Nähe irgendwann Abstand wird. Vielleicht willst du die Antwort nicht hören. Doch Du solltest sie verinnerlichen. ⸻ [Strophe 1 – ruhig, zunehmend scharf] Egal, worum es geht, du weißt Bescheid, auch wenn du keinen blassen Schimmer hast. Du kennst die Antwort vor der ganzen Frage und merkst nicht mal, wie sehr du damit nervst. Zu allem eine Meinung, immer ungefragt, zu jedem Satz noch einen obendrauf. Und selbst wenn wirklich jeder längst genug hat, hörst du mit deinem Klugscheißen nicht auf. Du musst erklären, musst berichtigen, musst jedem zeigen, wie man’s richtig sieht. Als wärst du allen andern überlegen, obwohl dir oft das kleinste Wissen fehlt. Und irgendwann schaut keiner mehr dich an, weil jeder weiß, was als Nächstes passiert: Du machst den Mund auf, hältst den nächsten Vortrag, bis auch der letzte Mensch das Interesse verliert. ⸻ [Pre-Chorus – Band baut sich auf] Und nein – die andern sind nicht alle zu empfindlich. Nein – sie können nur dein ewiges Gerede nicht mehr hör’n. Wenn immer mehr Menschen Abstand nehmen, solltest du vielleicht irgendwann versteh’n: Es sind nicht immer die andern. ⸻ [Refrain – volle Band und Chor] Du gehst den Leuten auf den Sack mit deinem ewigen Besserwissen. Immer reden, immer recht haben, selbst wenn du eigentlich gar nichts weißt. Du gehst den Leuten auf den Sack, und irgendwann dreht jeder sich um. Nicht weil die andern dich nicht verstehen – sondern weil sie dieses Klugscheißen einfach nicht mehr ertragen. Und wenn du irgendwann alleine stehst, dann frag dich nicht, warum sie alle geh’n. Sie haben’s lange genug versucht. Irgendwann geht jeder. ⸻ [Strophe 2 – härter, rhythmischer] Bei Fremden kannst du plötzlich ruhig sein, da funktioniert Zurückhaltung erstaunlich gut. Da musst du nicht zu jedem Scheiß was sagen, da fehlt dir plötzlich dieser ganze Mut. Doch kaum sind Menschen um dich, die dich kennen, geht dieses endlose Gelaber wieder los. Dann wird aus Halbwissen eine Weltanschauung und aus jedem kleinen Thema riesengroß. Du unterbrichst, erklärst und korrigierst, als hätte irgendwer dich drum gebeten. Und während du noch glaubst, du wärst interessant, wollen die andern längst nur noch nach Hause gehen. Das Bittere ist: Du merkst es nicht. Du hältst genervtes Schweigen für Respekt. Du glaubst, weil keiner mehr dagegenredet, hättest du mit deinem Vortrag recht gehabt. Nein. Sie sind nicht überzeugt. Sie sind erschöpft. ⸻ [Pre-Chorus – Chor setzt ein] Und irgendwann lädt keiner mehr dich ein. Irgendwann ruft keiner mehr dich an. Irgendwann erzählt dir keiner mehr etwas, weil jeder weiß, was daraus werden kann. Und du wirst wieder fragen: „Was haben die denn alle?“ Vielleicht solltest du die Antwort dieses eine Mal bei dir suchen. ⸻ [Refrain – größer] Du gehst den Leuten auf den Sack mit deinem ewigen Besserwissen. Immer reden, immer recht haben, selbst wenn du eigentlich gar nichts weißt. Du gehst den Leuten auf den Sack, bis irgendwann der Letzte sich entfernt. Nicht weil die Welt dich nicht versteht – sondern weil kein Mensch auf Dauer deine Klugscheißerei erträgt. Und wenn du irgendwann alleine stehst, dann frag dich nicht, warum sie alle geh’n. Sie haben’s lange genug versucht. Irgendwann geht jeder. ⸻ [Bridge – Musik fast vollständig weg] Und weißt du, was daran wirklich traurig ist? Du willst so unbedingt etwas gelten, dass du zu allem etwas sagen musst. Du willst so unbedingt gehört werden, dass du längst aufgehört hast zuzuhören. Du willst zeigen, dass du etwas weißt, auch dort, wo du überhaupt nichts weißt. Und vielleicht merkst du deshalb nicht, was um dich herum längst passiert: Menschen werden still. Menschen erzählen dir weniger. Menschen halten Abstand. Menschen gehen. Nicht alle auf einmal. Ganz langsam. Einer nach dem andern. Bis irgendwann kaum noch jemand übrig ist. Und nein – das ist dann nicht immer Pech. Nicht immer Undankbarkeit. Nicht immer die Schuld der anderen. Manchmal bist du der gemeinsame Nenner. ⸻ [Break – nur Piano] Vielleicht fragst du dich irgendwann: „Warum bleiben Freundschaften bei mir nicht?“ „Warum ziehen Menschen sich zurück?“ „Warum meldet sich keiner?“ Dann erinner dich an all die Abende, an denen du nicht zuhören konntest. An jedes Gespräch, das du an dich gerissen hast. An jedes Thema, von dem du keine Ahnung hattest und trotzdem allen erklären musstest, wie die Welt funktioniert. Vielleicht liegt die Antwort nicht bei denen, die gegangen sind. Vielleicht liegt sie direkt vor dir. ⸻ [Finaler Refrain – maximale Band, großer Chor] Du gehst den Leuten auf den Sack mit deinem ewigen Besserwissen. Mit diesem Reden ohne Ende, diesem Drang, immer recht zu haben. Du gehst den Leuten auf den Sack, und irgendwann hat jeder einfach genug. Denn Nähe hält nicht alles aus, und Liebe m
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