
Intro (Instrumental) Strophe 1 Früher saßen wir vorm Flimmern, heute tragen wir es mit, jede freie Sekunde wird zu irgendeinem Clip. Der Himmel trägt mehr Blau, wenn man die Sättigung erhöht, und ein echter Sonnenuntergang wirkt plötzlich etwas blass im Feed. Der Wald hat weniger Farbe als derselbe Wald in 4K, und ein echtes müdes Lächeln sieht fast aus wie ein Fehler. Also glätten wir die Haut, malen jede Narbe weich, bis wir Schönheit nur erkennen, wenn sie keinem Menschen gleicht. Jeder Augenblick wird aufgenommen, doch kaum einer wird erlebt, weil man währenddessen prüft, ob er im richtigen Format entsteht. Und wir sehen jeden Winkel dieser großen, weiten Welt — doch berühren sie nur noch durch das Glas vor unserm Selbst. Pre-Chorus So viel Licht in unseren Händen, doch es wird nicht heller hier. Tausend Fenster stehen offen … und trotzdem fehlt die Tür. Refrain Sie malen uns die Welt schöner als echt, bis das Echte daneben wie ein Fehler aussieht. Tausend Farben im Display, doch wir werden blind, überall verbunden und nirgendwo mehr drin. Ich will keinen Krieg, ich will nur, dass das endet — diese Spiele, bei denen am Schluss keiner gewinnt. Und wenn Frieden heute peinlich klingt, dann bin ich lieber naiv als so erwachsen, dass man Kriege akzeptiert. Strophe 2 Nachrichten in Sekunden, denn der Kontext dauert lang, ein Bild beginnt beim Einschlag, doch nie bei dem, was vorher kam. Ein Satz wird aus dem Ganzen wie ein Messer rausgeschnitten, und schon weißt du, wen du hassen sollst, bevor du ihn je getroffen hast. Jeder Zweifel gilt als Schwäche, jede Frage als Verrat, und wer nicht sofort Partei ergreift, wird selbst zum Verdachtsfall gemacht. Wir teilen alles in Lager, bis kein Raum dazwischen bleibt, jede Meinung braucht ’nen Gegner, weil Empörung besser greift. Frieden klingt romantisch, Bomben klingen plötzlich sachlich, Hoffnung gilt als kindisch, aber Aufrüstung als erwachsen. Sag „Wir könnten uns vertragen“ und sie lächeln müde weg — als wär der Wunsch nach Menschlichkeit die größte Lüge im Netz. Pre-Chorus So viel Wissen in den Händen, doch wir hören einander nicht. Jeder sendet seine Wahrheit … bis die Wirklichkeit zerbricht. Refrain Sie malen uns die Welt schöner als echt, bis das Echte daneben wie ein Fehler aussieht. Tausend Stimmen im Display, doch wir werden still, jeder sagt uns, was wir hassen, kaum noch einer, was er fühlt. Ich will keinen Krieg, ich will nur, dass das endet — diese Spiele, bei denen am Schluss keiner gewinnt. Und wenn Frieden heute peinlich klingt, dann bin ich lieber naiv als so erwachsen, dass man Kriege akzeptiert. Strophe 3 Jeder hat Angst um den Job, also bleibt man lieber leise, rennt von Montag bis zum Freitag und nennt Erschöpfung eine Reise. Noch ein Login, noch ein Passwort, noch ein Haken, den du setzt, und du nennst es freie Wahl, weil du zwischen Kästchen wechselst. Welche Farbe? Welche Größe? Welcher Tarif passt zu dir? Welche Serie? Welche Marke? Welche Version kaufst du hier? Tausend kleine Entscheidungen, damit es nach Freiheit aussieht — doch bei denen, die uns prägen, sitzt du selten mit am Tisch. Freiheit steht noch auf den Schildern, doch sie wird immer abstrakter, während Menschen viel zu müde sind, um nachzufragen. Denn wer den ganzen Tag nur kämpft, damit am Monatsende reicht, hat kaum Kraft, sich zu erinnern, was ein freies Leben heißt. Break Die Musik fällt fast vollständig weg. Wir dürfen alles auswählen. Nur selten die Richtung. Wir dürfen alles kommentieren. Nur selten etwas verändern. Wir sehen die ganze Welt. Aber sehen wir sie noch? Bridge Vielleicht war der Bildschirm niemals wirklich unser Fenster. Vielleicht war er die Wand. Und wir haben sie so lange beleuchtet, bis wir glaubten, sie wäre der Horizont. Mach sie für einen Augenblick dunkel. Sieh das Gesicht vor dir. Die unperfekte Haut. Die Augen, die nicht lügen. Eine Hand, die deine hält, ohne dass jemand zuschaut. Kein Filter. Keine Schlagzeile. Kein Lager. Kein Applaus. Nur ein Mensch, der zu einem anderen sagt: Ich will keinen Krieg. Und ich sage es trotzdem laut. Letzter Refrain Malt mir die Welt nicht länger schöner als echt, ich will ihre Risse sehen, denn vielleicht fällt dort Licht hinein. Ich will Farben, die verblassen, will Gesichter, die verzeih’n, will nicht überall verbunden und für immer einsam sein. Ich will keinen Krieg, ich will, dass dieses Spiel endet, bevor niemand mehr versteht, warum am Schluss keiner gewinnt. Und wenn Frieden heute peinlich klingt, dann schrei ich dieses Wort so lange in die Nacht, bis sich wenigstens ein Mensch wieder daran erinnert, wie schön es einmal klang. Outro (instrumental)
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