
AUCH MONSTER KÖNNEN WEINEN Berlin ist grau, die Nacht zieht auf, ich pack die Tasche, nehm den Schmerz in Kauf. Schwarzes Gym-Shirt, die Kapuze tief, der Booster brennt, mein ganzer Körper vibriert. Die Straßen ziehen schweigend vorbei, mein Kopf ist voll, doch im Gym bin ich frei. FitX, die Tür geht auf, der Bass schlägt ein, hier draußen bin ich Mensch, doch drinnen werd ich Stein. Dreizehn Jahre Eisen, dreizehn Jahre Schweiß, ich hab gelernt, was wahre Stärke heißt. Wenn meine Hände diese Stange berühr'n, kann ich das Monster in mir wieder spür'n. Hundertvierzig Kilo, ich zieh sie vom Boden, als hätte ich die Schwerkraft für mich aufgehoben. Hundertsechzig auf der Stange, der Blick wird kalt, in meinem Kopf erwacht die uralte Gewalt. Ich heb wie ein Berserker, mein Herz schlägt aus Stahl, ich kämpf mit jedem Atemzug, verdammt noch mal. Die Scheiben beben, der Boden vibriert, wenn das Monster in mir die Kontrolle übernimmt. Doch wenn die letzte Wiederholung kommt, wird selbst mein größter Wille stumm. Ich steh allein im kalten Licht, und plötzlich trägt mein Herz das Gewicht. Auch Monster können weinen, wenn keiner ihre Tränen sieht. Wenn selbst die stärksten Arme zittern und die letzte Hoffnung flieht. Ich hab mein Leben lang getragen, was kein Mensch auf Erden sieht. Doch wer fängt mich auf, wenn ich falle, wenn selbst das Monster in mir zerbricht? Ohhh, nur noch einmal, nur ein letztes Mal für mich. Ohhh, ich bin doch der Starke, warum reicht die Kraft heut nicht? Mein Rücken wie ein Panzer, meine Hände voller Kreide, ich kenn den Schmerz, ich kenn die langen Nächte. Jede Faser unter Spannung, jede Ader voller Feuer, ich will die Grenze sprengen, immer weiter, immer höher. Ich hab Gewichte hochgerissen, die mich früher fast erdrückt, hab nach jedem schweren Satz die nächste Scheibe draufgedrückt. Kein Applaus, keine Bühne, nur der Wille, der mich treibt, und das Eisen, das mir zeigt, was von meiner Stärke bleibt. Die erste Wiederholung fliegt, die zweite hinterher, bei der dritten wird es dunkel, doch ich will noch immer mehr. Bei der vierten brennt die Lunge, meine Hände halten dicht, doch vor der letzten Wiederholung seh ich nur noch Neonlicht. Die Musik wird leiser, die Sekunden bleiben steh'n, ich kann die Angst in meinen eigenen Augen seh'n. Der Berserker in mir schreit: „Du darfst jetzt nicht verlier'n!“ Doch tief in meiner Seele kann ich etwas andres spür'n. Auch Monster können weinen, wenn keiner ihre Tränen sieht. Wenn selbst die stärksten Arme zittern und die letzte Hoffnung flieht. Ich hab mein Leben lang getragen, was kein Mensch auf Erden sieht. Doch wer fängt mich auf, wenn ich falle, wenn selbst das Monster in mir zerbricht? Ohhh, nur noch einmal, nur ein letztes Mal für mich. Ohhh, ich bin doch der Starke, warum reicht die Kraft heut nicht? Ich hab hundertsechzig Kilo schon bezwungen, hab mit eisernem Willen um jeden Zentimeter gerungen. Doch heute fühlt sich diese letzte Stange an, als hinge alles, was ich bin, an ihr daran. Meine Finger schließen sich, die Schultern werden hart, mein Atem steht für einen Moment, bevor der Kampf neu startet. Die Stange löst sich langsam, das Eisen steigt empor, doch jeder Zentimeter kommt mir wie ein Leben vor. Meine Beine beben, meine Hände werden kalt, ich bin ein Mann aus Muskeln, doch die Last hat mich im Griff. Ich kämpfe um den letzten Zentimeter, um den Sieg, doch diesmal bleibt die Stange steh'n, egal wie sehr ich zieh. Und als das Eisen wieder auf den Boden fällt, ist es für einen Augenblick ganz still in meiner Welt. Ich knie nicht vor der Niederlage, ich atme einfach schwer, doch hinter meinen Augen fühlt sich alles plötzlich leer. Auch Monster können weinen, wenn die letzte Hoffnung bricht. Wenn die Welt nur Stärke sehen will, doch keiner sieht das wahre Ich. Ich kann die schwersten Lasten tragen, doch manchmal trag ich mich selbst nicht. Und wenn die letzte Wiederholung scheitert, heißt das nicht, dass meine Stärke zerbricht. Ohhh, nur noch einmal, ich versuch es irgendwann. Ohhh, auch ein Monster ist am Ende nur ein Mann. Die Nacht liegt über Berlin, das FitX wird still, ich geh nach Hause, auch wenn ich noch kämpfen will. Mein Shirt ist nass, mein Booster längst verflogen, doch meinen Willen hat mir diese Nacht nicht genommen. Morgen werd ich wiederkommen, wenn mein Körper dafür bereit ist. Denn das Monster in mir lebt, auch wenn es heute leise ist. Auch Monster können weinen ... und trotzdem wieder aufsteh'n.
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