
SECHZEHN [VERSE 1] Mama, du hast Herzen geboren, die für dich geschlagen haben, kleine Leben in den Armen, große Träume in den Narben. Du hattest zehn Hände nötig, doch nur zwei an deinem Arm, und je mehr wir wurden, desto weniger wurdest du uns nah. Du wolltest jedes Herz erobern, jedes irgendwie bewahren, doch manche Herzen wurden müde, während wir noch Kinder waren. Eins nach dem andern wurde leiser, schlug irgendwann allein, und vielleicht hast du’s nicht bemerkt – wir wollten doch bei dir sein. Du hast uns Leben gegeben, doch konntest nicht jedes halten, weil du selbst noch versucht hast, deine eigene Welt zu spalten. So viele Münder, so viel Liebe, so viel Chaos in den Tagen, und irgendwo dazwischen haben wir verlernt, dich zu fragen. [PRE-HOOK] Denn wie soll ein Kind dir sagen: „Mama, ich geh’ kaputt“, wenn es gleichzeitig noch glaubt, du wärst sein letzter Schutz? Also hab’ ich geschwiegen, hab’ gelächelt, hab’ funktioniert – und mit sechzehn schon gelernt, wie man sein eigenes Herz repariert. [HOOK] Ich war sechzehn, doch mein Herz war schon dreißig, hab’ mich selbst in meinen Armen gehalten, weil deine irgendwann nicht reichten. Du hast gesagt: „Die andern sind schuld“ – ich glaubte dir blind, bis ich merkte, dass wir alle irgendwann zu Spiegeln geworden sind. Vielleicht warst du mein Zuhause, doch ich lernte, wegzugehen, weil manche Türen offen sind und man sich trotzdem nicht gesehen fühlt. Ich hab’ in deinen Armen Wärme und in deinen Augen Wut gefunden – und trag’ bis heute Dinge, die damals niemand ausgesprochen hat. [VERSE 2] Du hast Herzen geboren – doch nicht jedes konntest du retten, nicht weil du böse warst, sondern weil Menschen Grenzen haben. Vielleicht warst du selbst nur ein Kind, das nie gelernt hat zu bleiben, wie soll man Wurzeln schenken, wenn die eigenen ständig treiben? Neue Liebe, neue Wohnung, neue Namen, neue Zeiten, wir lernten Koffer zu tragen, bevor wir lernten zu bleiben. Du hast von „für immer“ gesprochen, während alles weiterzog, und ich hab’ früh verstanden, dass ein Versprechen manchmal lügt. Und manchmal spür’ ich noch die Hand auf meiner Haut, obwohl Jahre dazwischen liegen – mein Körper weiß es noch genau. Ich hab’ dir verziehen, bevor ich überhaupt wusste, was Verzeih’n bedeutet, weil ein Kind lieber sich selbst die Schuld gibt, als dass es seine Mutter verliert. [BRIDGE – GEHEN] Und Mama, glaub mir – Abstand war für mich kein Sieg. Ich bin gegangen, obwohl ein Teil von mir noch immer bei dir liegt. Jede Grenze hat sich angefühlt, als würde ich dich verraten, doch irgendwann musste ich mich selbst aus dieser Geschichte retten. Dann seh’ ich deine Worte, deine Bilder, deine Sicht, wer du glaubst, dass du gewesen bist – und was wir dafür sein sollten. Und plötzlich wird aus Zweifel eine Wahrheit, die weh tut: Ich bin nicht gegangen, weil ich dich nicht liebe. Ich bin gegangen, weil ich endlich verstanden hab’, dass Liebe nicht bedeutet, sich selbst zu verlieren. [FINAL HOOK] Ich war sechzehn, doch mein Herz war schon dreißig, heute bin ich älter und versteh’ erst, wie viel davon noch in mir liegt. Ich trage deine Stimme, deine Angst, vielleicht sogar deine Art, und genau davor hab’ ich Angst, seit ich selber erwachsen war. Was, wenn deine Wunden durch meine Hände weitergehen? Was, wenn deine Schatten irgendwann in meinen Kindern stehen? Doch vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen dir und mir: Ich seh’ die Kette – und ich entscheide mich, sie endet hier. [OUTRO] Du hast Herzen geboren, die für dich geschlagen haben. Manche sind geblieben. Manche sind gegangen. Manche wurden still. Und trotzdem, Mama… ich liebe dich. Aber ich musste gehen, damit mein Herz nicht irgendwann auch aufhört, für mich zu schlagen.
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