
MIETER IN MEINEM KOPF [Intro – geflüstert] Weißt du, was das Schlimmste ist? Ich kann dir erklären, warum jeder andere so ist, wie er ist. Ich kann jeden verstehen, jedem verzeihen. Nur bei mir selbst find ich immer einen Grund, mich zu hassen. [Part 1] Ich trag die Sorgen andrer Menschen, als wär’n meine Schulden und wenn ich selber auseinanderfall, lern ich, es zu überspielen hab für jeden noch ’nen Ratschlag, wenn die Welt ihn wieder fickt doch wenn meine eigene Welt brennt, steh ich daneben und lösch mich nicht Ich hab „Alles gut“ gesagt, bis ich’s selber fast geglaubt hab hab mein Innerstes verriegelt und den Schlüssel weggetan jeder sieht, dass ich noch da bin, doch nicht, was von mir übrig blieb ich bin anwesend in mei’m Leben, aber fühl mich wie ein Gast darin Mein Kopf ist ein Gerichtssaal, jede Nacht wird neu verhandelt ich bin Zeuge meiner Fehler und der Richter, der mich aburteilt meine Schuld trägt keine Namen, doch sie kennt mein ganzes Leben und egal, wie oft ich freigesprochen werd, ich will mir selbst nichts geben [Hook – leise, brüchig gesungen] Ich hab Mieter in mei’m Kopf, und sie schlafen niemals ein jede Stimme kennt die Wunden, jede trifft genau hinein ich kann tausend Menschen lieben, nur mich selbst halt ich nicht aus und ich wär so gern mal sicher, wenn ich abends mit mir allein bin zu Haus Ich sag „Bruder, alles bestens“, doch ich weiß nicht mal, wer spricht hab so lang für andre funktioniert, dabei verloren, wer ich bin und wenn morgen jemand fragt, warum ich wieder müde bin sag ich „schlecht geschlafen“ – keiner weiß, wie laut ich nachts noch mit mir ring [Part 2] Ich hab Angst, euch zu enttäuschen, also enttäusch ich mich zuerst mach mich kleiner als ich bin, damit ihr keinen Fehler seht meine Ansprüche sind Richter, meine Zweifel das Gesetz und ich leb in einem Urteil, das sich täglich neu besetzt Ich bin Sanitäter für die Welt, doch bei mir bleibt keiner stehen kann die Risse andrer flicken, meine eigenen übersehen und ich nehm mir jede Nähe, die ich eigentlich verdien und zerstör sie mit der Frage, ob die Menschen irgendwann noch flieh’n Manchmal macht mich nicht das Leben müde, sondern mein Kommentar dazu dieses ständige Zerlegen, selbst bei einem kleinen Fehler keine Ruh ich mach aus Mücken ganze Friedhöfe, aus Sekunden ein Verhör und irgendwann klingt selbst die Wahrheit in mei’m Kopf wie ein Vorwurf Vielleicht bin ich nicht herzlos, nur erschöpft vom Starkseinmüssen vielleicht muss ich nicht alles heilen, um mich nicht mehr zu vermissen doch ich weiß nicht, wie man Frieden mit sich selber unterschreibt wenn der Mensch, der dich am besten kennt, dein größter Gegner bleibt [Hook – voller, Stimme bricht stellenweise] Ich hab Mieter in mei’m Kopf, und sie schlafen niemals ein jede Stimme kennt die Wunden, jede trifft genau hinein ich kann tausend Menschen lieben, nur mich selbst halt ich nicht aus und ich wär so gern mal sicher, wenn ich abends mit mir allein bin zu Haus Ich sag „Bruder, alles bestens“, doch ich weiß nicht mal, wer spricht hab so lang für andre funktioniert, dabei verloren, wer ich bin und wenn morgen jemand fragt, warum ich wieder müde bin sag ich „schlecht geschlafen“ – keiner weiß, wie laut ich nachts noch mit mir ring [Letzte Hook – erst nur Stimme und Piano, dann Beat] Wenn ihr irgendwann erzählt, ich wär ein guter Mensch gewesen dann erwähnt nicht nur die Stärke, sondern auch mein stilles Beben sagt nicht, ich hätt nie gekämpft, nur weil man meine Wunden nicht sah ich war oft mein eigner Abgrund und mir selber nicht mehr nah Ich hab ein Haus aus meinen Ängsten gebaut, jede Tür vernagelt hab nach Liebe gesucht und mich dabei selber ausgesperrt und ich weiß nicht, ob ich morgen schon gelernt hab, mir zu verzeih’n doch ich will nicht mehr mein ganzes Leben mein eigener Feind sein [Outro – fast ohne Instrumental] Vielleicht muss ich mich nicht lieben, um mich nicht mehr zu verletzen. Vielleicht reicht es für heute, mich nicht wieder zu verurteilen. Ich bin noch hier. Auch wenn ich mich selbst manchmal nicht mehr finde.
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